Hier der Link über den Bericht zur Abitur- und Latinumsprüfung
Ab Sommer 2015 auch Lateinkurse in Leipzig, Münster, Zürich und Wien
Autor: Matthias Wühle
Datum: 13.04.2015
Ausgabe: FR Online – Rubrik Studium & Beruf
Jedes Semester stehen Tausende von Studenten vor einer unerwarteten Sprachhürde: Wer sich beispielsweise für Geschichte, Philosophie, Buchwissenschaften oder Anglistik eingeschrieben hat, der muss Lateinkenntnisse vorweisen, um sein Studium fortsetzen zu können. Theologen, Romanisten und Archäologen müssen zum Teil sogar das anspruchsvollere Latinum in der Tasche haben. Einige von Ihnen hatten in der Schule Latein als tote Sprache abgewählt, andere haben ein Gymnasium besucht, das Latein gar nicht erst angeboten hatte. Hinzu kommt, dass viele Universitäten Lateinkenntnisse einfach voraussetzen, ohne dabei ein adäquates Sprachprogramm anzubieten. Viele Studenten finden sich in hoffnungslos überfüllten Hörsälen wieder, um sich durch die Lehrangebote der Altphilologen zu schlagen. Nicht wenige verlassen deshalb frustriert die Hochschule oder wechseln das Fach.
Auch Mirko (28), der in Dresden Geschichte und Politikwissenschaften studiert, sah seinen angestrebten Bachelorabschluss bereits in Gefahr. Fünf Unikurse musste er zuvor ohne Erfolg abbrechen, bis er von einem Freund auf die Intensivkurse der Academia Linguae hingewiesen wurde. Die 2007 von der ehemaligen Frankfurter Philosophiestudentin Claudia Sentürk gegründete Lateinschule verspricht, innerhalb von vier Wochen je nach Anforderungen und Vorkenntnissen Lateinkenntnisse zu erlangen oder die Vorbereitung auf die Latinumprüfung. Die hohen Erfolgsquoten begründet die Lateinschule mit kleinen Klassen und erfahrenen Lehrern. Auch Marko schätzte besonders die angenehme Atmosphäre, die ihm half, sich auf seine Prüfungsklausur am Ende der vier Wochen vorzubereiten. Am Ende reichte es für die Note 3,0. Markos Bachelorabschluss steht somit nichts mehr im Weg.
Mund-zu-Mund-Propaganda an den Universitäten sorgte dafür, dass die Intensivkurse, die anfangs nur in Frankfurt, Köln und Mainz stattfanden, nach und nach auf andere Städte ausgedehnt wurden. Seitdem kamen Stuttgart, Passau, München, Hamburg und Berlin als weitere Unterrichtsstandorte hinzu. Ab Sommersemester werden die Universitätsstädte Leipzig, Münster, Zürich und Wien neu ins Programm aufgenommen, damit erfolgt erstmals eine Expansion der altsprachlichen Schule ins Ausland. Für Marko kam diese Neuigkeit allerdings ein Semester zu spät: „Mit Leipzig als neuen Kursstandort hätte ich nicht so weit fahren müssen“ erklärt der Dresdener. Er war dazu eigens nach Hamburg gereist.
Titel: Cäsar war noch einfach, da ging es nur um Schlachten und Töten
Autor: Matthias Wühle
Datum: 10.04.2012
Ausgabe: FR Online – Rubrik Studium & Beruf
„Cäsar war noch einfach, da ging es nur um Schlachten und Töten“ Warum ein Collegestudent – nur zum Gaudium – Latein lernte Von Matthias Wühle Latein ist schon immer für fast alle geisteswissenschaftlichen Studiengänge an den Universitäten absolute Zugangsvoraussetzung gewesen. Im Zuge der Bologna-Reform haben sich die Bedingungen weiter verschärft: Studenten, die ihr Abi nicht gerade auf einem humanistischen Gymnasium abgelegt haben und sich trotzdem für Geschichte oder Germanistik einschreiben wollen – stehen plötzlich vor einem Problem: Wer nicht spätestens im 4. Semester seine Lateinkenntnisse nachweisen kann, muß nicht selten sein Studium an dieser Stelle abbrechen, unabhängig davon wie erfolgreich er im eigentlichen Studienfach war.
Die Crux dabei ist, daß Latein vorausgesetzt wird, aber eben nicht integraler Bestandteil des Lehrplans ist. Academia Linguae bietet für diesen Zweck Kompaktkurse in den Semesterferien an. Zunächst in Frankurt, Mainz und Köln, und – dank wachsender Nachfrage nun auch in Berlin, Stuttgart und München. Die Kurse sind begehrt, denn mehr als 15 Studenten werden nicht in die Kurse aufgenommen, um den Qualitätsanspruch zu halten.
Auch der Stuttgarter Jan Spreitzenbarth (23), der gerade sein Bachelor of Arts am Simpson College in Iowa abgeschlossen hatte, teilte vier Wochen lang das Klassenzimmer mit angehenden Germanisten, Theologen, Romanisten – und Lateinlehrerin Manuela Skof. Nach seinem Studienfach gefragt, antwortete er: „Wirtschaft“, und weiß, das er damit aus dem Rahmen fällt, denn im Unterschied zu seinen Kommilitonen belegte er den Kurs „just for fun“ – und bestand die Prüfung gleich im ersten Anlauf. Und wo stieß der angehende Ökonom an seine Grenzen? „Bei Cicero“ meinte Jan Spreitzenbarth und ergänzte: „Cäsar war da noch einfach, da ging es nur um Schlachten und Töten“. Als Berufswunsch nannte der frisch mit Latein geprüfte BWLer übrigens: „Diplomat“. Kein Problem, in Caesars „De bello gallico“ dürften sich einige Anleihen für seine diplomatische Laufbahn finden.
Titel: Latein an der Uni
Autor: Andreas Thieme/DPA
Datum: 09.06.2009
Ausgabe: Süddeutsche Zeitung – Rubrik Jobs & Karriere
Studenten hadern dennoch mit den Anforderungen der Latinum-Kurse an den Universitäten. Sie kritisieren vor allem die fehlende praktische Anwendung im Studium. Problematisch ist aber auch der Zeitaufwand. „Das ist fast schon ein Vollstudium, wenn man in nur drei Semestern das gesamte Latinum nachholen muss“, sagt Oberstudienrat Walfried Schubert aus Mönchengladbach. Er war 14 Jahre lang Dozent für Latinum-Kurse an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. „Fast jeder Zweite scheitert“, sagt er. „Das ist eine sehr große Hürde, die da zu nehmen ist.“